Sie haben die Diagnose Krebs erhalten und kämpfen sich durch die Therapie. Die Onkologie hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht – viele Krebserkrankungen sind heute gut behandelbar oder sogar heilbar. Doch so wirksam moderne Medikamente gegen Tumorzellen vorgehen, so können sie als Nebenwirkung auch das Herz belasten. Vielleicht haben Sie bei Ihrer letzten Echokardiographie, der Ultraschalluntersuchung des Herzens, erfahren, dass Ihre Ejektionsfraktion, also die allgemeine Pumpkraft, zwar noch im Normbereich liegt, der sogenannte GLS-Wert aber gesunken ist. Das verunsichert verständlicherweise. Doch genau für diese frühe Warnphase gibt es in der Kardio-Onkologie spezialisierte Strategien, die dafür sorgen, dass Ihr Herz und Ihre Krebstherapie im Gleichgewicht bleiben.
Was bedeutet ein sinkender GLS bei erhaltener EF?
Um zu verstehen, warum der GLS-Wert so wichtig ist, hilft ein anschaulicher Vergleich: Stellen Sie sich das Herz wie einen Motor vor. Die Ejektionsfraktion (EF) beschreibt, wie viel Prozent des Blutes bei jedem Herzschlag aus der Kammer ausgeworfen werden – ein Wert über 50 bis 55 Prozent gilt als normal. Das Problem dabei: Die EF ist ein vergleichsweise grober Parameter. Sie sinkt häufig erst dann spürbar ab, wenn das Herz bereits deutlich geschädigt ist.
GLS vs. Ejektionsfraktion – kurz erklärt
Der Global Longitudinal Strain (GLS) erfasst die Herzfunktion deutlich feiner. Während die EF lediglich das ausgeworfene Gesamtvolumen betrachtet, misst der GLS die Verformung – den sogenannten Strain – des Herzmuskels während der Kontraktion. Konkret zeigt er, wie gut sich die Muskelfasern in der Längsachse verkürzen. Um beim Motorbild zu bleiben: Die EF verrät, ob der Motor noch die volle Leistung bringt, der GLS hingegen registriert bereits erste untypische Vibrationen. Ein sinkender GLS-Wert ist damit ein Frühwarnsystem, das uns alarmiert, noch bevor die eigentliche Pumpkraft nachlässt.
Warum die Strain-Messung in der Kardio-Onkologie so wichtig ist
In der modernen Kardiologie nutzen wir diese Technik, um eine beginnende Herzmuskelschädigung durch Medikamente – die sogenannte Kardiotoxizität – frühzeitig zu erkennen. Sinkt der GLS-Wert signifikant, während die EF stabil bleibt, befinden wir uns in einem Zeitfenster, in dem sich oft noch wirksam gegensteuern lässt. Frühzeitige Prävention ist der Schlüssel.
Was Sie jetzt konkret tun sollten (Augsburg & Region)
Ein sinkender GLS-Wert ist kein Grund zur Panik, aber ein klarer Handlungsauftrag: Die Überwachung sollte intensiviert und gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden.
Warnzeichen und Zeitfenster für die Abklärung
Achten Sie auf Symptome wie ungewöhnliche Kurzatmigkeit bei Belastung, rasche Ermüdbarkeit oder Wassereinlagerungen in den Beinen. Selbst wenn Sie sich insgesamt gut fühlen, sollte eine Verschlechterung des GLS innerhalb weniger Tage bis maximal zwei Wochen kardiologisch abgeklärt werden. In unserer Praxis am Zeugplatz in Augsburg koordinieren wir solche Termine zeitnah, damit der Fortgang Ihrer onkologischen Behandlung nicht gefährdet wird.
Sinnvolle Diagnostik: Echo mit Strain, Biomarker, Basis-Check
Eine fundierte Abklärung stützt sich auf mehrere Bausteine:
- High-End-Echokardiographie: Eine präzise Strain-Analyse ist geräteabhängig und erfordert viel Erfahrung in der Auswertung.
- Biomarker im Blut: Wir bestimmen Eiweißstoffe wie Troponin, einen Marker für Herzmuskelstress, und NT-proBNP, der die Dehnung der Herzkammern anzeigt.
- Vektor-EKG: Damit lassen sich Rhythmusstörungen oder feinste elektrische Veränderungen dokumentieren, die im Standard-EKG leicht übersehen werden.
Therapie- und Monitoring-Strategien gemäß Leitlinien
Die European Society of Cardiology (ESC) hat klare Leitlinien für die Kardio-Onkologie formuliert. Das übergeordnete Ziel lautet fast immer: Die Krebstherapie so sicher wie möglich zu Ende führen – Fachleute sprechen von einer „Treat-through“-Strategie.
Herzschutz: ACE-Hemmer, Betablocker und individuelle Optionen
Sinkt der GLS-Wert, setzen wir häufig präventiv Medikamente ein, die das Herz entlasten. ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker sowie bestimmte Betablocker wirken dabei wie ein Schutzschild für die Herzmuskelzellen: Sie reduzieren den Stress auf das Herz und können dazu beitragen, dass sich der GLS-Wert stabilisiert oder sogar wieder verbessert.
Follow-up-Plan während Chemo- oder Antikörpertherapie
Je nach Risikoprofil der eingesetzten Medikamente erstellen wir einen individuellen Überwachungsplan. Das kann bedeuten, dass wir Sie vor jedem neuen Therapiezyklus sehen, oder dass feste Kontrollintervalle von etwa drei Monaten vereinbart werden. Diese Kontinuität – für die wir bei CORTINUUM mit unserem Namen stehen – gibt Ihnen die Sicherheit, die Sie während Ihrer Genesung brauchen.
Ursachen, Risikofaktoren und Prävention
Nicht jede Krebstherapie belastet das Herz gleichermaßen. Bestimmte Wirkstoffe erfordern eine besonders aufmerksame kardiologische Begleitung.
Krebstherapien mit höherem Risiko für das Herz
- Anthrazykline wie Doxorubicin gehören zu den klassischen Chemotherapeutika und können das Herz dosisabhängig belasten.
- HER2-gerichtete Therapien – etwa Trastuzumab bei Brustkrebs – lösen in manchen Fällen vorübergehende Veränderungen der Herzfunktion aus.
- Immun-Checkpoint-Inhibitoren sind hochwirksame Immuntherapien, die in seltenen Fällen eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) hervorrufen können.
Lebensstil, Blutdruck, Vorerkrankungen und Bestrahlung
Neben den Medikamenten spielen Ihre persönlichen Voraussetzungen eine wichtige Rolle. Ein gut eingestellter Blutdruck ist dabei das A und O. Auch eine Bestrahlung im Brustbereich oder Vorerkrankungen wie Diabetes können das kardiale Risiko erhöhen. Gemeinsam mit Ihnen betrachten wir das gesamte Bild und optimieren Ihre Vitalparameter, damit Ihr Herz der Therapie bestmöglich standhält.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Ab welcher relativen GLS-Änderung sollte gehandelt werden? Laut den aktuellen Leitlinien gilt eine relative Abnahme des GLS-Wertes um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Ausgangswert vor Therapiebeginn als klinisch bedeutsam – selbst wenn die Ejektionsfraktion noch im Normalbereich liegt.
Muss die Krebstherapie bei sinkendem GLS pausiert werden? In den meisten Fällen nicht. Oft genügt es, eine herzschützende Medikation zu beginnen und die Kontrollintervalle enger zu gestalten. Diese Entscheidung treffen wir stets in enger Abstimmung mit Ihren behandelnden Onkologen in Augsburg oder der Region.
Welche Untersuchungen sind jetzt sinnvoll? Neben dem Strain-Echo sind Bluttests auf Troponin und NT-proBNP sowie ein EKG essenziell. In unklaren Fällen kann ein Kardio-MRT wertvolle Zusatzinformationen liefern, weil es Gewebeveränderungen wie Entzündungen oder Vernarbungen direkt sichtbar macht.
Wie oft sollte die Strain-Messung erfolgen? Das richtet sich nach dem eingesetzten Medikament. Bei Anthrazyklinen wird häufig vor Erreichen bestimmter Gesamtdosen kontrolliert, bei HER2-Therapien meist alle drei Monate. Wir erstellen für Sie einen individuellen Überwachungsplan.
Übernimmt die private Krankenversicherung die Kosten für ein Strain-Echo? Ja, das Strain-Echo und die damit verbundene kardio-onkologische Diagnostik sind etablierte medizinische Leistungen. Private Krankenversicherungen und die Beihilfe übernehmen die Kosten in der Regel problemlos.
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Gehen Sie bei Ihrer Herzgesundheit keine Kompromisse ein. Ein präventiver Blick auf Ihre Herzfunktion ermöglicht es, Risiken zu minimieren und Ihre Onkologen optimal zu unterstützen.
Vereinbaren Sie jetzt Ihren Kardio-Onkologie-Strain-Check in Augsburg – inklusive Echo mit GLS, Biomarkern und individueller Herzschutz-Strategie. Wir begleiten Sie mit Expertise und Empathie durch Ihre Therapie.