Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch den Augsburger Siebentischwald oder möchten die Stufen zum Perlachturm hinaufsteigen – doch plötzlich bleibt Ihnen die Luft weg. Viele schieben solche Momente auf das Alter oder mangelnde Fitness. Tatsächlich steckt jedoch nicht selten eine Herzinsuffizienz dahinter, also eine Herzschwäche. Was dabei oft übersehen wird: Herzschwäche ist nicht gleich Herzschwäche. Manche Betroffene haben ein „schwaches“ Herz, andere ein „steifes“. In der modernen Kardiologie unterscheiden wir deshalb gezielt zwischen zwei Formen – HFpEF und HFrEF. Doch was bedeuten diese Kürzel konkret, und warum ist die Unterscheidung so wichtig für Ihre Gesundheit?
HFpEF und HFrEF einfach erklärt
Hinter den sperrigen Abkürzungen verbergen sich zwei grundlegend verschiedene Formen der Herzinsuffizienz. Gemeinsam ist beiden, dass das Herz nicht mehr ausreichend sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpt, um die Organe zuverlässig zu versorgen.
Was die Ejektionsfraktion verrät
Der entscheidende Messwert ist die sogenannte Ejektionsfraktion (EF) – also die Auswurffraktion. Sie gibt an, wie viel Prozent des Blutes, das sich in der linken Herzkammer befindet, bei jedem Herzschlag tatsächlich in den Körperkreislauf gepumpt wird. Bei einem gesunden Herzen liegt dieser Wert über 55 Prozent.
Bei der HFrEF (Heart Failure with reduced Ejection Fraction) ist die Pumpkraft des Herzens deutlich vermindert – die Ejektionsfraktion liegt unter 40 Prozent. Das Herz ist häufig vergrößert, die Herzwände dünn und geschwächt. Man spricht von der klassischen Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion.
Bei der HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction) sieht die Situation auf den ersten Blick anders aus: Die Pumpkraft erscheint mit einer EF über 50 Prozent normal. Das Problem liegt jedoch in der Entspannungsphase – das Herz ist „steif“ geworden und kann sich nicht mehr richtig mit Blut füllen, weil die Herzkammer dem einströmenden Blut einen zu hohen Widerstand entgegensetzt. Fachleute sprechen daher auch von einer diastolischen Herzschwäche, also einer Störung der Füllungsphase.
Ursachen, Risikofaktoren und typische Beschwerden
Die Symptome beider Formen ähneln sich stark: Atemnot (Dyspnoe), eine spürbar verminderte Leistungsfähigkeit und Schwellungen an den Knöcheln durch Wassereinlagerungen, sogenannte Ödeme, gehören zu den häufigsten Beschwerden.
Die Ursachen hingegen unterscheiden sich oft deutlich. Eine HFrEF entsteht in vielen Fällen nach einem Herzinfarkt oder infolge einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Die HFpEF dagegen entwickelt sich häufig schleichend – begünstigt durch einen langjährig unzureichend behandelten Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Übergewicht. Diese Faktoren führen dazu, dass der Herzmuskel mit der Zeit dicker und unnachgiebiger wird.
Diagnostik: So lassen sich HFpEF und HFrEF unterscheiden
Um die richtige Therapie einleiten zu können, braucht es eine sorgfältige Abklärung. Eine rein körperliche Untersuchung reicht dafür nicht aus.
Basisdiagnostik: Anamnese, Laborwerte, EKG und Herzultraschall
In unserer Praxis am Augsburger Zeugplatz beginnt jede Abklärung mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Beschwerden und Ihre Vorgeschichte – der sogenannten Anamnese – sowie einem Ruhe-EKG. Ein wichtiger Baustein ist außerdem die Bestimmung des NT-proBNP im Blut: Dieses Hormon schüttet das Herz vermehrt aus, wenn es unter Druck steht, und dient als zuverlässiger Hinweisgeber auf eine kardiale Belastung.
Der Goldstandard in der täglichen Praxis ist die Echokardiografie, also der Herzultraschall. Dabei messen wir nicht nur die reine Pumpkraft, sondern nutzen moderne Verfahren wie die Strain-Analyse – eine Untersuchung der Gewebeverformung –, um auch feine Bewegungsstörungen des Herzmuskels sichtbar zu machen. Gerade bei einer HFpEF können solche subtilen Veränderungen den entscheidenden diagnostischen Hinweis liefern.
Weiterführende Untersuchungen: Spiroergometrie, Kardio-MRT und Rechtsherzkatheter
Wenn der Ultraschall allein kein eindeutiges Bild ergibt, setzen wir auf die Spiroergometrie. Bei dieser Belastungsuntersuchung mit Atemmaske lässt sich differenziert beurteilen, ob die Atemnot ihren Ursprung im Herzen, in der Lunge oder in der Muskulatur hat.
Das Kardio-MRT – die Kernspintomografie des Herzens – liefert darüber hinaus hochauflösende Bilder des Herzgewebes und kann Entzündungen oder Narben sichtbar machen, was für die Ursachensuche häufig essenziell ist. In unklaren Fällen einer HFpEF kann zusätzlich eine Druckmessung mittels Rechtsherzkatheter notwendig werden, um die Diagnose abschließend zu sichern.
Therapie im Vergleich – was hilft bei welcher Form?
Lange Zeit galt die HFpEF als kaum behandelbar, während für die HFrEF bereits wirksame Medikamente zur Verfügung standen. Das hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert.
Medikamentöse Therapie: SGLT2-Inhibitoren als neuer Standard
Die sogenannten SGLT2-Inhibitoren – Wirkstoffe, die ursprünglich aus der Diabetes-Therapie stammen und umgangssprachlich auch „Flozine“ genannt werden – haben sich als neuer Therapiestandard für beide Formen der Herzinsuffizienz etabliert. Sie entlasten das Herz und schützen gleichzeitig die Nieren.
Bei der HFrEF kommen zusätzlich die sogenannten „fantastischen Vier“ der Herzinsuffizienz-Therapie zum Einsatz: Neben den SGLT2-Inhibitoren sind das Betablocker, die den Puls senken und vor Rhythmusstörungen schützen, ACE-Hemmer beziehungsweise ARNI, die die Gefäße erweitern, sowie Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA), die entwässernd wirken und Vernarbungen im Herzmuskel entgegenwirken.
Bei der HFpEF liegt der Schwerpunkt neben den SGLT2-Inhibitoren vor allem auf der konsequenten Behandlung der Begleiterkrankungen – allen voran des Bluthochdrucks. Diuretika, also Entwässerungstabletten, kommen bei beiden Formen zum Einsatz, wenn sich Flüssigkeit im Körper staut.
Lebensstil, Bewegung und Begleiterkrankungen
Gute Medizin ist immer auch Teamarbeit zwischen Ärztin oder Arzt und Patient. Die konsequente Kontrolle von Blutdruck und Körpergewicht bildet dabei das Fundament. Auch das Screening auf eine Schlafapnoe – also Atemaussetzer im Schlaf – ist wichtig, da diese das Herz erheblich belasten kann.
Darüber hinaus unterstützen wir Sie durch modernes Telemonitoring über unsere Plattform „In Touch“. Dabei übermitteln Sie wichtige Messwerte bequem von zu Hause aus an unser Team, sodass wir bei Verschlechterungen rasch reagieren können. Gerade für Patientinnen und Patienten aus der Region Augsburg und dem weiteren Umland bietet das ein spürbares Plus an Sicherheit und Lebensqualität.
Ihr Weg zur Abklärung in Augsburg und Schwaben
Wenn Sie bemerken, dass Ihre gewohnte Belastbarkeit nachlässt, sollten Sie nicht abwarten. Eine frühzeitige Diagnose kann den Krankheitsverlauf entscheidend bremsen.
Wann Sie handeln sollten
Warnzeichen wie plötzliche Atemnot im Liegen, nächtliches Husten oder eine rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen sind Alarmsignale, die eine kardiologische Abklärung erfordern. Bei CORTINUUM nehmen wir uns die Zeit für eine strukturierte Diagnostik und erstellen anschließend einen individuellen Therapieplan, der genau auf Ihren Alltag und Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.
Kardiologische Versorgung auf Spitzenniveau
Augsburg bietet hervorragende Voraussetzungen für eine umfassende kardiologische Betreuung. Als Praxis sind wir tief in der Region verwurzelt – ob als Stadionärzte beim FC Augsburg in der Bundesliga oder als Rallyeärzte der Fuggerstadt Klassik. Das Engagement für Präzision und schnelle Reaktion, das uns in diesen Bereichen auszeichnet, übertragen wir unmittelbar auf die Betreuung unserer Patientinnen und Patienten. Ob Sie aus der Augsburger Innenstadt kommen oder aus dem Umland anreisen: Eine exzellente kardiologische Versorgung ist für Ihre langfristige Herzgesundheit entscheidend.
FAQs: Häufig gestellte Fragen
Woran merke ich, ob ich HFpEF oder HFrEF habe – und welche Untersuchung klärt das sicher? Die Symptome wie Atemnot sind bei beiden Formen praktisch identisch – allein anhand der Beschwerden lässt sich keine Unterscheidung treffen. Erst die Echokardiografie (Herzultraschall) in Kombination mit Labortests wie dem NT-proBNP kann zuverlässig klären, ob die Pumpkraft reduziert ist (HFrEF) oder ob eine Füllungsstörung vorliegt (HFpEF).
Welche Medikamente helfen nachweislich bei HFpEF? SGLT2-Inhibitoren sind derzeit die einzigen Medikamente, für die bei der HFpEF eine klare Empfehlung zur Senkung von Krankenhausaufenthalten und zur Verbesserung der Prognose vorliegt. Darüber hinaus ist eine konsequente Blutdruckeinstellung entscheidend.
Kann sich HFpEF in HFrEF umwandeln oder umgekehrt? Ja, das Herz ist ein dynamisches Organ. Eine HFrEF kann sich unter optimaler Therapie wieder verbessern – man spricht dann von einer HFrecEF, also einer wiederhergestellten Pumpfunktion. Umgekehrt kann eine chronische Belastung bei HFpEF langfristig dazu führen, dass auch die Pumpkraft nachlässt.
Ist Ausdauertraining bei Herzschwäche erlaubt – und in welcher Intensität? Ja, Bewegung gehört zu den wirksamsten Therapiemaßnahmen. Bei stabiler Herzschwäche wird moderates Ausdauertraining ausdrücklich empfohlen. Die individuelle Belastungsgrenze sollte allerdings zuvor durch eine Spiroergometrie bestimmt werden.
Übernimmt meine private Krankenversicherung erweiterte Diagnostik wie Kardio-MRT oder Spiroergometrie? In der Regel ja. Da diese Untersuchungen für die präzise Einordnung der Herzschwäche und die Planung der Therapie medizinisch notwendig sind, werden die Kosten von privaten Krankenversicherungen und der Beihilfe üblicherweise erstattet.
Vereinbaren Sie Ihren Herzschwäche-Check in Augsburg
Lassen Sie Atemnot nicht zu Ihrem ständigen Begleiter werden. In der CORTINUUM Privatpraxis für Kardiologie und Innere Medizin klären wir präzise, ob eine HFpEF oder HFrEF vorliegt. Mit modernster Diagnostik und einem individuellen Behandlungsplan sorgen wir dafür, dass Ihr Herz wieder effizient arbeitet. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin bei Dr. med. Philipp Gaudron oder Dr. med. Maximilian Rieger.